Bertolt Brecht – Leben und Werk

 

„In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.”

Bertolt Brecht – an diesen Namen knüpft sich ein halbes Jahrhundert Literatur- und politische Geschichte. Dennoch ist es leicht, Brecht zu kritisieren – als Menschen, als Künstler und als Lehrmeister. Es gibt wohl kaum einen zweiten Schriftsteller, bei dem die Kluft zwischen Verkündigung und Verkünder so groß ist: Der Kritiker des Kapitalismus agierte allzu oft zielstrebig und listig. Der Gegner der Geschäftemacherei verstand es, seine Vorteile rauszuschlagen. Der Fürsprecher der Gleichheit handelte mitunter erbarmungslos egoistisch. Der Ankläger der Ausbeuter hatte keine Scheu, sich andere zu Nutze zu machen. Der Kriegsgegner befürwortete zeitweise den Terror als politisches Mittel. Der Feind Hitlers verteidigte Stalin. Der Wahrheitsapostel duckte sich, wenn es bedrohlich wurde. Der Verfechter der Geknechteten sah Armut als Zeichen von Untüchtigkeit, fuhr gerne Auto, trug maßgeschneiderte Hemden – feine Stoffe unter der Arbeiterjacke. Der Theatermann im Proletarier-Look genoss den Wohlstand. Und in puncto Beziehungen zu Frauen war er bekanntlich auch kein Vorbild. So sagte Ruth Berlau, eine seiner zahlreichen Geliebten: „Uns Frauen verachtet er tief. Mich hat er immer behandelt wie den letzten Dreck – leider liebe ich ihn.”

Hörbuch Bert Brecht von Christian Liederer

Ungebrochene Popularität

All dies schmälert nicht die Popularität Brechts und die Qualität seines dichterischen Schaffens. Ob im Bühnenwerk oder im Gedicht – was Brecht auszeichnet, ist nicht zuletzt seine charakteristische Ausdrucksform. Brechts Denken ist pointiert, seine Sprache beherrscht die Verkürzung zur Essenz, die Verdichtung komplexer Sachverhalte zu schneidenden Aperçus. Er kombiniert einfachste Worte aus dem Alltag und erzeugt ungeheure Effekte. Vielleicht zählt Brecht gerade deshalb zu den wenigen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts, die ein dauerhaftes weltliterarisches Echo gefunden haben. Oder, um es mit den Worten Marcel Reich-Ranickis zu sagen: „Wie kein anderer Dichter dieses Jahrhunderts hat er unser aller Sprache geprägt, geformt und bereichert. Der Platz Bertolt Brechts im Pantheon der deutschen Literatur ist ungeheuer oben.”

Brecht in Originaltönen

In diesem Hörbuch wird sowohl der Mensch Brecht – mit all seinen Schwächen – als auch der Schriftsteller porträtiert, seine wichtigsten Werke ebenso wie seine Theorie des epischen Theaters. Brecht kommt dabei selbst in O-Tönen zu Wort – mit selbst gesungenen Liedern, aber beispielsweise auch in seinem Verhör in den USA.

Spielzeit: ca. 140 Minuten.

Publiziert bei auditorium maximum, Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

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